EIN WORT DES PORTALGRÜNDERS

Prof. ANĐELKO MILARDOVIĆ, PhD.

  1. Globales Zeitalter und globale Migrationen

Das Zeitalter, in dem wir leben, ist tatsächlich ein globales Zeitalter. Die neuen Technologien haben es geschafft, die Welt des 21. Jahrhunderts wie nie zuvor zu verbinden. Technologische Entwicklungen hatten schon immer einen bedeutenden Einfluss auf die Gestaltung historischer Gesellschaftsformen. Postmoderne Gesellschaften werden durch digitale Technologien determiniert. Wie nie zuvor in der Geschichte haben es diese Technologien ermöglicht, die Welt zu vernetzen und die Mobilität der globalen Bevölkerung zu beschleunigen. Die Weltbevölkerung ist durch Bewegung, d.h. Migrationen gekennzeichnet, die grundsätzlich Gegenstand der Soziologie sind. Hier geht es um globale Migrationstrends, die von der Kommunikations- und Verkehrsrevolution unterstützt werden.

Jüngsten Daten zufolge gab es 2018 weltweit 258 Millionen Migranten. Man spricht von einem Phänomen der globalen Migration. Laut Stephen Castles leben wir heute in einem „Zeitalter der Migration“. An dieser Stelle würde ich noch hinzufügen: bestimmt durch die verschiedenen Faktoren, die die Menschen zur Migration bewegen. Dies sind Push- und Pull- sowie Push-Up-Faktoren der Migration. Mit Hilfe dieser Faktoren versucht sozialwissenschaftliche Theorie, Migration als ein Teil der Demographie zu erklären.

  1. Dimensionen der Demographie und Explosion der Weltbevölkerung in globalen Trends

Demographie besteht aus zwei Komponenten. Die erste ist organisch und bezieht sich auf Natalität, Fertilität und Mortalität. Die zweite ist mechanisch und bezieht sich auf die Bewegung der Bevölkerung innerhalb einer Gesellschaft und zwischen Gesellschaften und Ländern, bzw. auf internationale oder globale Migration. Die organischen und mechanischen Dimensionen der Demographie sind relevant für das Verständnis von Bevölkerungsbewegungen: a) auf nationalstaatlicher Ebene und b) auf globaler Ebene. Das Portal enthält eine kleine Datenbank über Biopolitik, die von Michel Foucaults Gedanken inspiriert ist.

Aus der Geschichte der Demographie bekommen wir Informationen über das exponentielle Bevölkerungswachstum und Migrationen, die auf diesem Portal zu finden sind. Heute leben 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde. In den UN-Projektionen wird bis 2050 mit 9,7 Milliarden Menschen gerechnet.

Wie bereits erwähnt, 258 Millionen der gesamten Weltbevölkerung sind Migranten. Die globalen Migrationen sind das Ergebnis der ungleichen Auswirkungen der Globalisierung, während die globale Bevölkerung, welche nicht gleichmäßig verteilt ist, von unterschiedlichen soziokulturellen Faktoren beeinflusst wird.

  1. Zivilisation des Abendlandes in Bezug zu Demographie und Migration

Die abendländische Bevölkerung wird immer älter. Die Zivilisation des Abendlandes bricht nicht aufgrund von Migranten eines anderen Kultur-Codes zusammen. Sie geht an ihrer inneren Dekadenz zugrunde, die auch Rom im vorigen Geschichtszyklus durchlebt hat. Es waren nicht die Barbaren, die Rom stürzten. Das ist ein historischer Stereotyp. Rom wurde von innen heraus zerstört. Diese Zerstörung führten die Barbaren nur zu Ende. Vielleicht sind die Analogien zum heutigen Europa/EU überflüssig? Das Postulat lautet wie folgend: Sobald die ideellen Kräfte, die Gesellschaften und Zivilisationen als longue durée Strukturen, wie Fernand Braudel es sagen würde, führen können, nachlassen, brechen die Zivilisationen zusammen. In diesem Fall handelt es sich um den „seltsamen Tod Europas“ als Teil der abendländischen Zivilisation.

Wenn wir gerade von Zivilisationen sprechen, stellt sich die Frage, wie Europa heute aussehen würde, wenn es keine Migration gegeben hätte. Außerdem, wie würden alle nichteuropäische Zivilisationen, heute als höchster Ausdruck einer strukturierten sozio- und technokulturellen Realität, aussehen? Aus den Historien des Herodot und anderen Quellen wird die Bedeutung von Migration ersichtlich. Wären da nicht die Phönizier gewesen, die die griechischen Poleis gründeten, wie hätte sich die europäische Geschichte entwickelt? Wenn es die Griechen und ihrer Kultur nicht gegeben hätte, wie wäre Rom möglich gewesen? Wie würde Europa heute aussehen, wenn es Rom und römische Eroberungen, die Zwangs- und anderen Migrationsbewegungen veranlassten, nicht gegeben hätte? Und so weiter bis zum postmodernen Zeitalter.

Die These lautet, dass Migration im Laufe der Geschichte Städte als Grundlage der Zivilisation gestaltet hat. In den Städten gibt es eigentlich keine Einheimische. Warum? Weil jeder von uns von irgendwoher gekommen oder gegangen ist. Migration scheint einfach erklärbar zu sein. Sie ist aber viel komplexer als das was Menschen darunter verstehen. Aus diesem Grund ist es notwendig, das Wissen über Demographie und Migrationen zu systematisieren. Eine Möglichkeit ist die Entwicklung einer Methodologie (was hier gemacht wurde) als Voraussetzung für den Aufbau eines spezialisierten wissenschaftlichen Portals, das Demographie und Migration gewidmet ist.

  1. Über die Bedeutung des Portals

Portal ist ein Begriff, der aus der Architektur stammt. Mit dem Begriff bezeichnet man die Vorderseite eines Gebäudes oder auch einen Eingang. In der Informationstheorie und Semiotik stellt der Begriff Portal eine Pforte dar, durch die Informationen hinein- und herausgehen. Der Zweck eines Portals besteht darin, Informationen aus einem bestimmten Wissens- oder Kulturbereich an einem Ort zu maximieren. Es geht also darum, mit dem Demos-Migrant Portal Informationen und Wissen aus dem Bereich Demographie und Migration in Form von zugänglichen wissenschaftlichen Datenbanken systematisch darstellen zu versuchen. Alle drei Begriffe im Namen des Portals, Demos, Migrant und Portal, haben ihren Ursprung in der Semiotik der griechisch-römischen Kultur, die die Identität Europas und die Zivilisation des Abendlandes gekennzeichnet hat.

  1. Kategorisierung und Strukturierung des Portals nach der Methodologie

Entsprechend der Kategorisierung von Webportalen ist das Demos-Migrant Portal ein globales dreisprachiges, also ein kroatisch-englisch-deutsches Wissenschaftsportal, das zwei grundlegende Dimensionen aufweist. Die erste ist die erkenntnistheoretische und die zweite ist die Policy-Dimension mit zwei Anhängen, C und D.

  1. Die Erkenntnistheoretische Dimension des Portals umfasst die grundlegenden wissenschaftlichen Begriffe und 13 Sozial- und Geisteswissenschaften, die Demographie und Migrationen zum Gegenstand haben: Demographie, Migrationssoziologie, Wirtschaftswissenschaft und Migration, Rechtswissenschaft und Migration, Politikwissenschaft und Migration, Geschichtswissenschaft und Migration, Kultur und Migration, Anthropologie und Migration, Psychologie und Migration, Philosophie/Ethik und Migration, Soziolinguistik und Migration, Semiotik und Migration, sowie Literaturwissenschaft und Migration. Die acht Datenbanken zu Demographie und Migration sind auch Bestandteile der erkenntnistheoretischen Dimension des Portals, einschließlich der Produktion kroatischer Sozial- und Geisteswissenschaftler.
  2. Die Policy-Dimension des Portals fokussiert sich auf politische Inhalte, die sich auf Demographie und Migration beziehen. Das Prinzip der Aufstellung von Datenbanken ist geographisch: Welt, Europa, Deutschland. Ergänzend zu den beiden grundlegenden Dimensionen des Demos-Migrant Portals sind die neun spezialisierten im Anhang C aufgeführten Datenbanken.
  3. Ausgewählte Themen in Migrationsforschung

In diesem Abschnitt habe ich neun ausgewählte Probleme der zeitgenössischen Welt in Bezug auf Migration hervorgehoben:

  1. Globaler Klimawandel und Migration
  2. Migration und globale Risikogesellschaft
  3. Globales Migrationsgovernance
  4. Flüchtlinge
  5. Asylbewerber
  6. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
  7. Migrantenrecht
  8. Minderheiten in Europa
  9. Globale Migrationsorganisationen
  10. Anhang. Unterschiedliche Quellen für Demographie- und Migrationsdaten

Durch Systematisierung von Datenbanken nach meiner wissenschaftlichen Methodologie wurde viel nützliches Restmaterial erfasst, das zusätzlich auf dem Portal inkludiert wurde.

  1. Die Geburt der Idee vom Demos-Migrant Portal

Die Idee hinter dem Portal wurde im Januar 2019 in Zagreb geboren. Ich habe eine wissenschaftliche Methodologie für die Erstellung des Portals entwickelt. Mit Hilfe dieser Methodologie hatte ich bis Ende August 2019 das aus ungefähr 300 Seiten mit Links bestehende Material systematisiert. 30 Seiten beziehen sich auf das Portal in kroatischer Sprache. Der Rest des Materials ist in englischer und deutscher Sprache. Die Portale in kroatischer, englischer und deutscher Sprache sind methodisch maximal kompatibel. Dort wo es keine Links zu den Datenbanken in kroatischer und deutscher Sprache gab, wurden englische Links bereitgestellt. Die Systematisierung der Datenbanken wurde in den frühen Morgenstunden des 18. August 2019 in Split abgeschlossen. Das Portal wird am 26. Oktober 2019 auf der internationalen wissenschaftlichen Tagung Globalisierung der Migration, Anti-Immigrationsparteien und Xenophobie in der EU in Split offiziell vorgestellt.

  1. Vergleich vom Demos-Migrant Portal mit ähnlichen Portalen

Es ist zu beachten, dass es weltweit drei relevante Portale dieser Art gibt: das Migration Data Portal, das Environmental Migration Portal und das Knowledge Centre on Migration and Demography Portal der Europäischen Union. Im Vergleich zum Demos-Migrant Portal folgen alle drei Portale der Logik des Policy-Konzepts. Unser Portal zeichnet sich durch eine starke erkenntnistheoretische Dimension aus.

  1. Zum Sinn und Zweck der Portalerstellung

Nun wird im metaphysischen Sinne die Frage nach der Gründung und dem Gründer des Portals, bzw. nach dem Warum und Wozu aufgeworfen. Dieses Portal wurde für die Zwecke eines internationalen Forschungsprojekts zur Globalisierung der Migration erstellt, das vom Institut für Migrationen und Ethnizitäten aus Zagreb in Zusammenarbeit mit der Philosophischen Fakultät der Universität in Split durchgeführt wurde. Der Start des internationalen Forschungsprojekts und des Demos-Migrant Portals war sicherlich bedingt durch die große Migrationskrise in Europa im Jahr 2015, welche das Europa in „kosmopolitische“ und „souveränistische“ Lager aufteilte. Andererseits veranlasste mich die alarmierende Situation in Bezug auf das demografische Defizit in Europa und Kroatien sowie die massive Auswanderung aus Kroatien während der Regierungszeit des Ministerpräsidenten Andrej Plenković, ein wissenschaftliches Portal zu Demographie und Migration zu erstellen, um inter- und multidisziplinäres Wissen zu Demographie und Migration zu sammeln und zu systematisieren.

  1. Methodologie des Portals

Die wissenschaftliche Motivation, Wissen und Informationen über Demographie und Migration im 21. Jahrhundert zu systematisieren, hat mich dazu veranlasst, ein solches Portal ins Leben zu rufen. In methodologischer Hinsicht ist das Portal das Ergebnis einer dreißigjährigen Beschäftigung des Autors mit Migration am Institut für Migrationen und Ethnizitäten in Zagreb. Als Autorenarbeit in diesem Projekt betrachte ich die Methodologie des Portals, die einen direkten Beitrag zur Erkenntnistheorie von Demographie und Migration leistet. Es handelt sich um einen ersten solchen Beitrag, auf den ich stolz bin.

Ein weiterer Beitrag des Gründers des Portals ist die Systematisierung von öffentlich verfügbaren Informationen und Datenbanken, die ausschließlich auf der Grundlage der vom Autor entwickelten Methodologie möglich war. Sie bestimmt tatsächlich die Identität dieses Portals.

Das Portal ist akademischer und gemeinnütziger Natur. Es dient der Weiterentwicklung von Wissen über Demographie und Migration, sowohl in Kroatien als auch in Europa und weltweit. Hier betone ich seine globale Dimension.

  1. Über Motive zur Portalerstellung: auf den Spuren der Familiengeschichte und mündliche Überlieferung

Private Motive fehlten bei der Erstellung des Demographie- und Migrationsportal auch nicht. Vor allem wenn es um Migrationen geht. Warum? Aus Gründen der mündlichen Überlieferung der engsten und erweiterten Familie Milardović, die in den letzten hundert Jahren innerhalb Kroatiens, Europas und Amerikas migrierte. Ich selbst bin ein Migrant, der in verschiedenen Städten Kroatiens, des ehemaligen Jugoslawiens und Deutschlands studierte, arbeitete und lebte. Mein Vater, Petar Milardović, lebte bis zu seinem Ruhestand in der Bundesrepublik Deutschland. Mein Onkel Ante lebte in Leverkusen, mein Bruder Boris in Stuttgart. Der Onkel Filip war in Berlin. Andere Verwandte leben deutschland- und kanadaweit. Im Unterschied dazu, wanderte mein Sohn Luka nach Asien aus (er studierte in Kuala Lumpur, arbeitete in Saigion, und später in Frankfurt und Prag). Ich betrachte ihn als einen echten globalen Migranten in der Familie. Andere Mitglieder des Milardović-Stammes ziehen seit fünf Jahrhunderten aus ihrem Ursitz nach Kroatien, Europa und in die Welt. Es handelt sich um einen in ganz Kroatien und in der Welt verstreuten Migrantenstamm. Der Familienname Milardović ist in 27 Städten in Kroatien und 12 Ländern weltweit vertreten. Diesen Angaben zufolge zeigt sich, dass der Familienname vor allem durch Migrationen globalisiert wurde. Ich hatte das Bedürfnis diese Informationen mitzuteilen, da die Migrationsgeschichte der engsten und erweiterten Familie Milardović mit der Thematik dieses Portals in einer engen Beziehung steht.

  1. Über den ständigen Migranten und die wissenschaftliche Migrationsforschung

Ich betrachte mich als ständigen Migranten, der sich sein ganzes Leben lang am Institut für Migrationen und Ethnizitäten mit interdisziplinärer Reflexion über Migrationen und Migrationsforschung beschäftigt. Das Ergebnis dieser Arbeit sind die wissenschaftliche Monographie Stranac i društvo: Fenomenologija stranica i ksenofobije (2013) (Der Fremde und die Gesellschaft: Die Phänomenologie der Ausländer und der Xenophobie), der Sammelband Stranci pred vratima Europe: Iskustvo Lampeduse (2014) (Die Fremden vor den Toren Europas: Die Erfahrung von Lampedusa), die Rundtischserie Migrationsforum IMIN, und das internationale Forschungsprojekt Globalization of Migration, Anti-Immigrant Parties and Xenophobia in the EU.

  1. Danksagung an die Mitarbeiter

Ich möchte mich bei den Mitarbeitern in der Anfangsphase der Erstellung des Portals bedanken. Ich danke meinem Sohn Luka Milardović für das Webdesign und die zukünftige Entwicklung und Wartung des Portals. Außerdem, bedanke ich mich bei der Kollegin Marita Brčić Kuljiš von der Philosophischen Fakultät der Universität in Split für die hilfreichen Ratschläge und ihre redaktionelle Arbeit, sowie der jungen Kollegin Ana Gudelj aus dem Bereich der Informationswissenschaften für die geduldige Bearbeitung von Datenbanken, ohne deren Beteiligung das Portal nicht das Licht der Welt erblicken würde.

  1. Ein Wort an die Benutzer des Demos-Migrant Portals

Sehr geehrte ForscherInnen, KollegInnen und alle BenutzerInnen des Portals, ich hoffe, dass dieses Portal bei ihrer Erforschung von Demographie und Migration von Nutzen sein wird. Ich wünsche uns allen viel Glück!

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